Technotheater on Tour: The Orange Moon

von Tobias Frühauf

Einige Gedanken ergeben ein Bild unserer Zeit. Gedanken manifestieren sich nicht unbedingt zu festen Formen. Turbulente Zeiten stehen bevor. Alle wissen es. Immerzu nur Gedanken, wo zwischenmenschliche Beziehungen scheitern. Es ist der Spiegel unserer Gesellschaft. Sphärische Synthieklänge, düstere Bässe und ein eindringliches Pulsieren. Ein Sog. Die Vereinigung von elektronischen Klängen und Spoken Words. In der körperlichen Erfahrung manifestieren sich Inhalte. Die freigesetzten Energien erzeugen Aktivität.   

Techno und Theater, geht das? Theater und Party im Club funktioniert diese Kombination? Die Antwort: Ja!

Dramatiker Tobias Frühauf und Regisseur Philipp Wolpert vom Theaterlabel Tacheles und Tarantismus arbeiten an der Entwicklung ihres Technotheaters und versammeln ein explosives künstlerisches Team um sich. Zwei erfahrene Technoproducer, zwei Technonewcomer, ein Allround-Musiker, ein Körperkünstler und ein fünfköpfiges Schauspielensemble, bilden die Formation. Mit ihrer Eigenproduktion »The Orange Moon« touren sie durch Deutschland und die Schweiz und bringen Theater in den Clubraum. Kreiert wird ein Grenzgang zwischen Techno, Performace, Party und Theater.   Gespielt wird in renommierten Szenelocations wie dem Berghain Berlin (Kantine), der Roten Fabrik Zürich, dem Tanzhaus West Frankfurt, dem Bahnwärter Thiel München, dem Stadtpalais Stuttgart, der Halle 02 Heidelberg, dem Roxy Ulm, dem Dornheim Würzburg, dem Hafen 49 Mannheim. Entwickelt und uraufgeführt wird die Produktion im Theaterlabor Stilbruch im Mobilat Heilbronn.

»The Orange Moon» ist in einer nahen Zukunft verortet. Keine Maschinen, keine Technik, es geht nur um den Menschen und die »schöne neue Welt«, die er sich geschaffen hat. Die Gesellschaft befindet sich in einem Entwicklungsstadium, hin zu einer apokalyptischen Welt, doch dieser Prozess wird nur von den Wenigen als solcher registriert. Blank und ehrlich werden Schicksale und ihr Kampf, um ihren Platz in einer kaputten Umwelt geschildert. Fünf Charaktere die erkennen müssen, dass ihre individuellen Ängste, Komplexe und Probleme, ihr Streben nach Unendlichkeit, Wahrheit, vollkommener Liebe und innerem Frieden, Katalysatoren des »großen Feuers» sind. Es ist unsere Generation. Am Ende bleibt wenig - entblößte Körper vor einem Scherbenhaufen. Eine nach sozialdarwinistischen Mustern handelnde Regierung, vermeintliche Wohlstandprobleme, die große Depression, ethische Zerreißproben, der Kampf um den inneren Frieden und andere, fremde Schicksale. Die Flucht in den Exzess, doch es gibt keinen Zufluchtsort mehr.

Eine Parabel auf den Menschen und auf unsere Zeit die in ihrer Aufführung eine Auflösung der geometrischen Figur zur Folge hat. Die Skizzierung löst sich spiralförmig auf und implodiert. Lasst uns selbst Geschichte schreiben an diesem Abend und eine Prophezeiung feiern und voraussehen, die letztlich doch nur jeder Einzelne für sich und in der Solidarisierung mit sich selbst und seinen Mitmenschen aufhalten könnte.

Die musikalische Konstruktion bildet das Fundament der Dramaturgie. Der stramme Techno und deepe Techhouse wird immer wieder von Retrofusion-Synthiesound durchbrochen. Zitate an die Italo Disco. 

Wir laden in den »Zirkus der aufgehobenen Schwerkraft», in das »theatrale Panoptikum». Die Welt ist die Bühne, ist die Manege. Alter Glanz der allmählich zerfällt.
Ein tiefgehender Theaterabend, ein intensives Partyerlebnis und keine Antworten. Oder liegt im Erlebnis und in den Gedanken der Stein des Anstoßes? Tanzt, solange ihr könnt!     

Regie und Bühne: Philipp Wolpert
Text und Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Übersetzung in das Englische: Jan Schneider
Musik: Helmut Dubnizky, Frank Nova, Konsent und Tondera, Michel Schulze
Mastering und Tonaufnahmen: Helmut Dubnizky
Bühnenbau: Twinsisters Veranstaltungstechnik und abelli.art
Kostüme: Lea Horvath
Requisite:
Anke Borchardt-Klimm
Maske:
Anja Reiber
Technische Leitung und Ton: Manuel Sperber
Licht: Philipp Wulfhorst
Grafik:
Michele Aiello
Regieassistenz: Marieke Plappert

Mit
Varya Popvkina, Paul-Louis Schopf, Sebastian Graf, Carmen Yasemin Zehentmeier, Andreas Posthoff, Thomas Feyerabend, Frank Nova, Konsent und Tondera, Michel Schulze und Helmut Dubnitsky

Informationen

Dauer: ca. 120 Minuten (keine Pause)
Deutsch mit englischen Übertiteln
Wir möchten darauf hinweisen, dass in dieser Produktion Stroboskoplicht zum Einsatz kommt.

Tour, Vorstellungen und Ticketvorverkauf 

Wegen der anhaltenden Ausbreitung des Corona-Virus wird die Technotheater Tour verschoben.

Es kommt zu einem anhaltenden Vorstellungsausfall für unsere Veranstaltungen, auch im Theaterlabor Stilbruch im Mobilat Heilbronn.
Bereits im Vorverkauf erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit. Wir bemühen uns um entsprechenden Ersatz und werden einzelne Technotheater-Vorstellungen verschieben, sobald sich die allgemeine Situation beruhigt hat. Wir bitten euch daher von etwaigen Anfragen zur Ticketrückabwicklung abzusehen.
In den nächsten Tagen wird hierzu voraussichtlich auch eine behördliche Richtlinie in Kraft treten.
Wir bitten um eurer Verständnis. Achtet auf euch und eure Mitmenschen.
Sobald wir entsprechende News und Informationen haben, auch was Ausweichtermine betrifft, aktualisieren wir dies auf unserer Webseite.