JETZT!

von Tobias Frühauf

Kleinstadtidylle irgendwo um die Nuller-Jahre – aber doch irgendwie heutig. Nils lebt mit Vater Frank und Tochter Gloria in der Abgeschiedenheit eines verlassenen Trailerparks. Er hat den vermeintlichen Systemausstieg geschafft, von dem alle nur träumen. Fürsorglich kümmert er sich um seine Angehörigen und ermöglicht ihnen eine »geschützte Insel des Glücks«, weit abseits vom Leid der Welt. Zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes tritt er hin und wieder als abgehalfterter Glam-Rock-Exzentriker in der ortsansässigen Kneipe auf und lässt das Zeitgefühl der späten 70er Jahre wieder aufleben. Als er dort die Barkeeperin Stella kennenlernt, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Ein Konflikt bahnt sich an. Die Kollision zweier Welten. Wie wird er sich entscheiden? Tauscht er seine erdachte Freiheit in der Einsamkeit gegen den weltlichen Vergnügungspark? Indes wächst seine Tochter Gloria heran und beginnt Fragen zu stellen. Dunkle Geheimnisse und Abgründe offenbaren sich. Nils wahnwitziges System aus kruden Verschwörungstheorien und patriarchalen Machtstrukturen beginnt zu bröckeln.

Ein musikalischer Sinnesrausch. Ein Wechselspiel aus Realität und Fieberträumen. Ein extravaganter Trip zwischen sphärischer, jazziger Ambient-Musik in düsteren Nadelwäldern und synthielastigem Tech-House im kreisenden Strudel des Nachtlebens.

Ein Stück Gegenwart über irrtümliche Wahrheiten und deren psychologisches Entstehungsmotiv.

Regie: Philipp Wolpert
Text und Dramaturgie: Tobias Frühauf
Musik:  Helmut Dubnitzky und Onomatopoiea
Bühne: Teresa Heiß, Tobias Frühauf und Philipp Wolpert
Kostüme: Teresa Heiß
Maske: Anja Reiber
Licht: David Albert
Ton: Walter Schmid
Regieassistenz: Hannah Biller 

Mit Lena Schmidtke, Thea Rasche, Andreas Posthoff und Benjamin Hille

 

Theater Sommer Heilbronn 2021

In Kooperation mit der Stadt Heilbronn und der Württembergischen Theaternachwuchsförderung Neckartal

Die Kultur ist zurück! Nach dem Erfolg des ersten Heilbronner Theater Sommers im letzten Jahr starten das junge Theaterduo Tacheles und Tarantismus mit der Stadt Heilbronn und der Württembergischen Theaternachwuchsförderung Neckartal in die zweite Auflage dieses pandemiegerechten Theaterfestivals vom 25. Juni bis 31. Juli. 2021 innerhalb der Reihe »Heilbronn ist Kult«. 

Gerade in Zeiten von Corona wollen Dramatiker Tobias Frühauf und Regisseur Philipp Wolpert ein Kulturangebot schaffen, das das kulturelle Leben in der Stadt in Krisenzeiten bereichert. Gleichzeitig ermöglicht das Theaterfestival den Künstler*innen eine Fortsetzung ihrer beruflichen Tätigkeit und garantiert eine Plattform für Austausch und Netzwerkbildung. Gespielt wird an drei Standorten. Zum einen in der Aula auf dem Bildungscampus, in der die große Neuproduktion des Theaterduos zu sehen sein wird sowie im malerischen Deutschhof und auf der Inselspitze, wo spannende Gäste zu sehen sein werden.      

Auf dem Festivalprogramm stehen die musikalische Eigenproduktion »Jetzt« (UA) von Tobias Frühauf, »Hyperion« von Friedrich Hölderlin mit Filmschauspieler Robert Stadlober, das szenische Konzert »Rave. Eine Studie zur Geborgenheit« (UA) von Tobias Frühauf mit Nina Siewert und Jannik Mühlenweg vom Schauspiel Stuttgart, die Live-Radioshow »Switch Punkcast« mit Sibel Taylan vom Data 77112 und die Technozeitreise »Ben - allein zu House!« von Benjamin Hille.

                                      

SPERRSTUNDE

von Tobias Frühauf und Philipp Wolpert

Eine Koproduktion zwischen Tacheles und Tarantismus, dem Schauspiel Stuttgart, dem StadtPalais - Museum für Stuttgart und dem Pop-Büro Region Stuttgart

Wohin, wenn die Türen geschlossen sind? The End?! Verschiedene Nachtschwärmer*innen treffen zusammen. Rave! Ein Konglomerat aus schrillen Persönlichkeiten. Tanz! Ekstase und Rausch. Was sind unsere Geschichten?! Tanz! Mehr als nur Ausdruck. Person. Befreiung. Teaser einer Sehnsucht. Wir wagen einen Neuentwurf.

»SPERRSTUNDE STUTTGART« ist ein multimediales Theaterexperiment in den Grenzbereichen zwischen Schauspiel, Tanz, Party, Film, Kunstinstallation und Performance. Eine Kooperation zwischen dem StadtPalais – Museum für Stuttgart, den Theatermachern Tacheles und Tarantismus, dem Pop-Büro Region Stuttgart und dem Schauspiel Stuttgart.

Die Menschheit steht vor dem Abgrund der totalen Überforderung. Diversität im Nachtbunker. Verschiedene Personen treffen sich. Sie folgen der seltsamen Einladung eines Experimentalleiters und begeben sich in die Isolation des nie endenden Nachtlebens. Kann die große, ungesagte Utopie im Nachtleben existieren? Eine Menschenstudie liefert Antworten. Metaphysische Fragestellungen manifestieren sich im Tanz und in der körperlichen Erfahrung. Theater wird zum Klubraum und spielt mit den Widersprüchlichkeiten der nächtlichen Streifzüge, der Melancholie, Einsamkeit, Schicksalsergebenheit, dem Nihilismus des Exzesses und der Ekstase im Rauschzustand.

Am Abend des 30. Oktober 2020 verwandelt sich das Foyer des StadtPalais – Museum für Stuttgart ein ganzes Wochenende lang und ohne Unterbrechung in eine Klubraum-Installation. Während die Figuren und Grundgedanken der Inszenierung im Vorfeld festgelegt und dramaturgisch erschlossen werden, entstehen Texte (Tobias Frühauf) und Regie (Philipp Wolpert) durch das Theater-Duo Tacheles und Tarantismus live vor Ort.

Die Challenge für die Künstler*innen: In 48 Stunden arbeitet das Team am Film »SPERRSTUNDE STUTTGART« und orientiert sich an dem im Vorfeld entstandenen Drehbuchfragment.

Der Entstehungsprozess läuft als Livestream auf den Webseiten der beteiligten Institutionen und im Online-Spielplan der Nachtkritik. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind fließend. Alles entsteht live vor Ort im künstlerischen Flow eines Raves. Nächste Stufe des Projekts ist die Produktion eines Spielfilms.

Die Performances behandeln zum einen metaphysische Fragestellungen, die sich in einer körperlichen Erfahrung durch das Erlebnis und den Tanz manifestieren. Zum anderen wird Theater zur Clubraum-Installation.

Konzept & Idee: Philipp Wolpert und Tobias Frühauf*
Live-Regie: Philipp Wolpert
Live-Text: Tobias Frühauf
Technische Leitung: Manuel Sperber
Bildregie: Frank Buchhold, Klaus Ramma, Ulf Rabeneck
Kamera: Jürgen Höcht, Milo Wiersdorff, Matthias Landenberger, Titus Waldner, Raphael Hahn
Ausstattung: David Braschler, Tobias Frühauf und Philipp Wolpert
Grafik und Catering: Michele Aiello
Bar: Tobias Tabler
Regie-Assistenz: Sophie Mutschler/Niko Posthoff
Musik: DINA, Candy Pollard, Helmut Dubnitzky, Revision, Mic Moon und Onomatopoiea

Mit Jannik Mühlenweg, Johann Jürgens, Manon Pfrunder, Lena Schmidtke, Thea Rasche, Fabian Egli, Andreas Posthoff, Alexander Ilic, Anja Bothe, Friedrich von Borries (Impulsgeber), Susan Barth (Impulsgeberin), Gunnar Schwarm (Impulsgeber) und weiteren Gästen


UBU. Ein fragmentärer Zyklus der modernen pataphysischen Forschung - Eine Trapoper

von Tobias Frühauf

Geldzählmaschinen machen Radau. Schampus, Capri-Sonne, Wohlstandsbauch und weißes Gold. Hunderttausend Mäuse fliegen durch die Lobby der politischen Hinterzimmer. Das Leben eine ehrenlose Party. Bei Ladehemmung gibt es Kolben ins Genick. Atomarer Exitus. Mehr Kohle, mehr Geld, mehr Kalorien. Abriss. 

Das Drama König Ubu von Alfred Jarry ist ein Meilenstein der Theaterhistorie und markiert die Geburtsstunde des absurden Theaters. Das 1896 uraufgeführte Drama löste seinerzeit handfeste Tumulte in den Zuschauerrängen aus. Die Dadaisten entdeckten das in Vergessenheit geratene Relikt zwanzig Jahre später und würdigten Alfred Jarrys Pionierleistung, die erstmals mit den festgefahrenen Strukturen der Kunst brach. Eine Persiflage auf die großen Dramen Shakespares, die zugleich aus inszenatorischer und theaterästhetischer Sichtweise einen Neuanfang barg. Dramatiker Tobias Frühauf hat die Figur Ubu zum Ausgangspunkt seines Textes gemacht. 

Unter der Regie von Philipp Wolpert wird aus dem Stoff eine zeitgenössische Hip-Hop-Oper. Das Hip-Hop Subgenre Trap polarisiert derzeit die Musikszene und spaltet die Gemüter. Während Kunst-Rezensenten das junge Musikgenre als Neo-Dada und Spiegel unserer Gesellschaft preisen, sehen andere darin lediglich einen niveaulosen Trend mit geringer Halbwertszeit. Fest steht, Trap rückt zunehmend und unaufhaltsam in den Fokus unserer Gesellschaft und bilden das Pendant zum hedonistischen Streben einer Generation, die lieber im Moment verharrt, als Verantwortung zu übernehmen. 

Erzählt wird die Geschichte des wahnsinnigen Despoten in einem Malstraße aus Rap, gesprochenem Wort und Videotechnik. Die Inszenierung übersetzt Jarrys théâtre-action und Antonin Artauds Theater der Grausamkeit in die Neuzeit. 2018 im Mobilat geboren und nun weiterentwickelt: Die Trapoper mit Gastspielen in Stuttgart, Heilbronn und am Schauspiel Dortmund.

Regie: Philipp Wolpert
Text und Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Beats: Dexter, Visun, Juicy Gay
Ausstattung: David Braschler
Maske: Anja Reiber
Live-Video: Jürgen Höcht
Licht und Ton: Manuel Sperber

Mit
Juicy Gay, Dennis Da Menace, Thea Rasche, Andreas Posthoff, Carmen Y. Zehentmeier, Heinz Kipfer, Alexander Ilic, Gunnar Schwarm, Michel Schulze (Live-Drums) und Sebastian Klug (E-Gitarre/Gesang)


Theater Sommer Heilbronn 2020

In Kooperation mit der Stadt Heilbronn und der Württembergischen Theaternachwuchsförderung Neckartal

Ein Theaterfestival in Heilbronn während der Coronakrise? Zwei junge Theatermacher, ihr Team und eine Auswahl an Gästen beleben die Stadt Heilbronn innerhalb der Reihe »Heilbronn ist Kult«. Das Theaterlabel Tacheles und Tarantismus, in Kooperation mit der Stadt Heilbronn und der Württembergischen Theaternachwuchsförderung Neckartal, veranstalten vom 02. August bis zum 12. September den ersten Theater Sommer Heilbronn.

Gerade in Zeiten von Corona wollen Dramatiker Tobias Frühauf und Regisseur Philipp Wolpert ein Kulturangebot schaffen, das kostenfrei besucht werden kann und das kulturelle Leben in der Stadt in Krisenzeiten bereichert. Gleichzeitig ermöglicht das Theaterfestival den KünstlerInnen wieder eine Fortsetzung ihrer beruflichen Tätigkeit und garantiert eine Plattform für Austausch und Netzwerkbildung zwischen etablierten Größen der deutschen Kulturszene und den jungen NachwuchskünstlerInnen. Bei der Programmkonzipierung war es den jungen Theatermachern wichtig, ein vielschichtiges Repertoire zusammenzustellen, das vom Experimentaltheater bis zum Chansonabend reicht. Ein Beitrag für alle Generationen.         

Auf dem Festivalprogramm stehen der szenischen Vaudeville-Chansonabend »Heut geh´n wir morgen erst ins Bett« von Musicaldarsteller Fabian Egli, die Live-Radioshow »Switch Punkcast« von Sibel Taylan vom Data 77112, passend im Hölderlin Jahr die musikalische Theaterperfromance »Hyperion« mit Filmschauspieler Robert Stadlober, die Hip-Hop-Oper »UBU« von Tobias Frühauf (Regie: Philipp Wolpert), die Anfang des Jahres am Schauspiel Dortmund zu sehen war und das Kammerspiel »Vergessen - literarische Lethe« von Tobias Frühauf (Regie: Philipp Wolpert).    
         
Der Theater Sommer wird gefördert durch den Innovationsfond »Kultur Sommer 2020« des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, von der Dieter Schwarz Stiftung, der Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn und der Stadt Heilbronn. Schirmherrin des Theatersommers ist Frau Bürgermeisterin Agnes Christner.      


Charlie Manello und der Delfinmann

Musikalische Performance mit Friedrich Liechtenstein, Charlie Manello
und der Tarantist-Allstar-Band
Konzept: Tobias Frühauf, Philipp Wolpert

Acht Künstler und ein Live-Experiment. Als Delfinmann strandet Friedrich Liechtenstein im Mobilat Heilbronn und trifft auf den latenten Lyriker Charlie Manello und eine zusammengewürfelte Band aus Tagelöhnern. Eine einzigartige Konzertnacht mit Bezügen zu John C. Lilly, seinen Delfinexperimenten und der Psychedelic Era.

Flipper ist nicht tot. An alle da draußen, ich weiß es jetzt. Ich hab hier jetzt so ein Bündel Beweisfotos und vervielfältige den Scheiß für euer Gewissen. Aber am besten fange ich von vorne an. Flipper lebt. Flipper heißt Peter. Also Peter ist Flipper. Und Flipper ist ein Delfin. Also ist Peter der Delfin. 
Peter kennen die meisten von euch als diesen Flipper, in dieser animalischen Bergdoktorromanze aus den 60er Jahren. Unser tierischer Freund, Retter in der Not.
Manello kehrt zurück, wenn es gelingt, 2048 Shirts über den Online-Shop zu veräußern, den ein Freelancer verdeckt betreibt. Dann hat die Aktion #PETERFREEFLIPPER Erfolg und der finanzielle Ertrag übersteigt den eines Staatsmannes dann doch sehr. Die freie Marktwirtschaft eben. Genug Geld um im Exil etwas Literatur zu zaubern. Ihr habt die Wahl. Das theatrale Panoptikum zeigt die Wahrheit auf.

Die Performance wurde am 25. Mai 2019 im Rahmen des Theaterlabors Stilbruch (Mobilat) in Heilbronn veranstaltet.


Ein Science-Fiction-Drama

von Tobias Frühauf

Willkommen im Jahr 2048. Science-Fiction wird zur Science-Reality!

Theater transformiert zum B-Movie und Grenzgang zwischen Performance, Musik, bildender Kunst, Wissenschaft und Film.

 Charlie Manello, verkappter Journalist und selbsternannter Schriftsteller, leidet unter einer Schreibblockade. Zu seiner Zerstreuung surft er schlaflos im Netz und findet sich kurzerhand hinter dem Flimmerkasten seines Bildschirms wieder. Dort überkommt ihn die Vision vom Ende der Welt. Als einziger Ausweg erscheinen ihm die Wissenschaft und der technische Fortschritt. Er macht sich auf die Suche nach dem Gral des Lebens und stattet den Heilsbringern der Forschung seinen Besuch ab.



Künstliche Intelligenz, die neue Gen-Revolution durch das CRISPER-CAS9 Verfahren, die erste Marsbesiedelung, Kybernetik, prähistorischer Klonhype und das eidetische Weltbild, welches der Protagonist kreiert, kollidieren in einem fiktiven Endzeitszenario. Alles gerät außer Kontrolle. Ein loses, assoziatives Gedankenspiel und eine meditative Bewusstseinserweiterung. Ein psychadelischer Trip. Es braucht das Lying-Eigth-Movement um den Dingen auf den Grund zu gehen. Schließt euch dieser Bewegung an und beginnt zu sehen.


Die Premiere der Werkstattinszenierung war am 16. Mai 2019 im Theaterlabor Stilbruch (Mobilat) in Heilbronn.

Regie: Philipp Wolpert
Text und Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Musik: NisiMasa (Paul-Louis Schopf)
Ausstattung: Tobias Frühauf, Philipp Wolpert, Anke Borchardt-Klimm, Moritz Vachenauer
Licht und Ton: Patrick Trautermann

Mit
Paul-Louis Schopf, Lara Haucke, Andreas Posthoff


Surreale Realität - Ein Klubstück (Technotheater)

von Tobias Frühauf

Du bist im Klub, kannst tanzen, kannst tun und lassen was du willst. Ein Ort des Hedonismus und der Melancholie. Ein normaler Jugendlicher ist dort, Kasper heißt er. Dieser weiß, wer er ist, was er will, wo er steht – weiß er es wirklich? Kasper wird von Gott auf die Probe gestellt. Den alten Niemand, an den niemand glaubt. - Irgendwann werden alle Menschen auf die Probe gestellt. Die Unruhe und innere Leere treibt Kasper vor die Tür seines alten Freundes Silas, den Weltenmittler, Heimdal, der kosmische Substanzen im Bauchbeutel trägt. Beide konsumieren Drogen und stürzen sich ins Nachtleben.
Stroboskope blitzen auf, kreieren Träume, ein Kabinett der Illusionen, in dem sich der Protagonist verliert. 
Die Grenze zwischen Realität und Illusion ist fließend. Was ist Spiel? Ist alles nur Traum? Kasper verliert Silas unter den Tanzwütigen und driftet in einen Ort der Fäulnis, Gottes letztes Domizil, die Lethe. Gott ist krank, gleich einem Parasiten, einem Mikropilz, ist er von der Muttersubstanz befallen: der menschliche Größenwahn, die kollektive, nihilistische Vernichtungstat, der Commercial Highway im Kopf eines jeden Einzelnen, der ohne Rücksicht unseren Planeten zugrunde richtet. Die Muttersubstanz verschlingt den alten Niemand und Kasper. Kasper erkennt das Antlitz des Menschen. Er erkennt die Obszönität und entschließt sich diesem Weg zu folgen. Es bleibt ein Prinzip am Ende. Der Nihilismus. Kasper mordet, vergewaltigt und richtet sich selbst zu Grunde. Starke Bilder. Schauspiel. Musik. Tanz. Video. Performance. Ein Sammelsurium aus obskuren und schrägen Gestalten. Ein Grenzgang zwischen Metaphysik, Trash, Techno und Gesellschaftskritik. Eine phantastische Erzählung im realen Raum.

Die Premiere der Werkstattinszenierung war am 31.08.2018 im ehemaligen Klub Zollamt auf der Kulturinsel in Stuttgart, Baden-Württemberg.

Regie: Philipp Wolpert
Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Musik: Jonny Be
Video: Jan Schneider
Technik: Samuel Busch
Bühnenbild: Samuel Busch, David Braschler
Kostüme und Maske: Selina Lorenz
Regieassistenz: Magdalena Kolar

Mit Lara Haucke, David Braschler, Raik Singer, Fabian Egli, Alexander Ilic, Judith Kieninger, Anne Penkert, Chiara Rilling, Selina Lorenz, Laura Vanessa Galeano

Pressestimmen

»[...] Den Text des Dramatikers und Dramaturgen Frühauf hat der Regisseur Wolpert als Gang durch eine Traumsequenz mit Schauspiel, Tanz, Video (Jan Schneider) und harter Techno-Musik (Jonny Be) umgesetzt. Entstanden ist so eine Art Drogentrip, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Illusion zerfließen. [...] Auf einem solchen Trip befindet sich die Hauptfigur Kasper. Der Jugendliche – packend gespielt von Lara Haucke[...] Für diese Geschichte fanden Frühauf und Wolpert eindrückliche Bilder, die die Klubbesucher, selbst Teil der kritisierten Gesellschaft, auf sich zurückwerfen. Hier ist „Surreale Realität“ kein fadenloser Mix aus Philosophie, Trash und Schock, sondern durchaus ein Bild dieser Zeit, in der Sinn so schwer zu finden scheint und Fakten keine Rolle mehr spielen.« (Petra Mostbacher-Dix von der Stuttgarter Zeitung)

»[...] Eine klare Trennung zwischen Bühne und Auditorium gibt es nicht, David Braschler hat in eine Ecke ein altes Sofa gestellt, davor ein vollgemüllter Couchtisch, in die andere eine von milchigem Plexiglas abgetrennte Koje, dazwischen in der Mitte ein Podest, das mal als Dancefloor, mal als Boxring, mal als Laufsteg konnotiert wird. [...] Dass die starken Bilder oft das Stochern im Nebel illustrieren, liegt in der Natur des Sujets. Stimmig auch die Kostüme von Selina Lorenz. [...] Mischung aus Spielszenen, Kommentaren, Tanz und medialen Einspielern [...] Einerseits das entgrenzende Aufgehen im Kollektiv der Crowd, andererseits das Gefühl des Geworfen-Seins, der Einsamkeit und Verlorenheit in der Menge, diese Dialektik des Cluberlebnisses zwischen Euphorie und Melancholie jedenfalls wird in »Surreale Realität« außerordentlich zum Ausdruck gebracht.« (Harry Schmidt von der Ludwigsburger Kreiszeitung)


Vergessen - literarische Lethe

von Tobias Frühauf

Kasimir Kranz lebt für die Literatur seiner Zeit und träumt davon Verleger zu werden. Er bricht mit seinem konservativen Elternhaus in der Provinz und begibt sich in das sündhafte Berlin. Im turbulenten Treiben der Stadt, trifft er auf schillernde Persönlichkeiten, die seinen Weg kreuzen. Der Verwirklichung seiner Leidenschaft steht nichts mehr im Wege.
Doch dann kommt der 1. Weltkrieg und Kasimir muss an der Ostfront Kriegsdienst leisten. Von nun an ist er Vagabund und zieht in einem literarischen Roadtrip durch Europa.
Als er wieder in seinem geliebten Berlin strandet, wird er mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten konfrontiert. Kranz verglüht, die ewige Kuckucksuhr schlägt, der Bogen zur Gegenwart spannt sich. Das Stück schildert das Schaffen des fiktiven Verlegers Kasimir Kranz um die Jahre 1910 bis 1933. Hierbei wird insbesondere die Beziehung des Verlegers zu Literaten thematisiert, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten sind und deren Werke man in einem heutigen Verlagsprogramm vergeblich sucht. Schriftsteller, deren kritische Stimme in den Köpfen der Menschheit erloschen ist und deren Wort in hermetisch abgeschirmten Archiven vergilbt.

Kranz stellt die schillernden Persönlichkeiten der frühen Moderne mitsamt ihren Schrullen anhand geeigneter Lyrik und Prosa aus deren OEuvre vor. Eine spannende Reise durch turbulente Zeiten, Parallelen zur Gegenwart und die Frage, ob sich Geschichte wiederholen kann? Ernst Toller, Ferdinand Hardekopf, Jakob van Hoddis, Else Lasker-Schüler, Emmy Hennings, Reinhard Goering, Hugo Ball und viele andere kommen zu Wort.

Regie: Philipp Wolpert
Buch und Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Musik:
Michael Wist (The Visionears)
Ausstattung:
Felix und Manuel Seiter
Regieassistenz:
Barbara Esslinger, Magdalena Kolar
Licht:
Samuel Busch, Manuel Heinsich

Mit Andreas Posthoff


Vergessen - literarische Lethe (Klassenzimmerstück)

von Tobias Frühauf

Das Stück schildert das Schaffen des fiktiven Verlegers Kasimir Kranz um die Jahre 1910 bis 1933 und beinhaltet kontemporäre Verweise zu den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Kranz berichtet von seinem Werdegang, von seinem anfänglichen Eifer, dem Brennen, dem Aufopfern für die Passion und Selbstverwirklichung, bis hin zum Verglühen im gleichgeschalteten Nazi-Deutschland.

Hierbei wird insbesondere die Beziehung des Verlegers zu Literaten thematisiert, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten sind und deren Werke man in einem heutigen Verlagsprogramm vergeblich sucht. Schriftsteller, deren kritische Stimme in den Köpfen der Menschheit erloschen ist und deren Wort in hermetisch abgeschirmten Archiven vergilbt. Kranz stellt die schillernden Persönlichkeiten der frühen Moderne mitsamt ihren Schrullen anhand geeigneter Lyrik und Prosa aus deren OEuvre vor.

Um den zeitlichen Kontext zu wahren, werden die Biographien der Künstler mit realen historischen Vorgängen und einschneidenden Ereignissen der damaligen Zeit in Szene gesetzt. Das Augenmerk liegt vor allem auf den avantgardistischen Strömungen, wie Expressionismus und Dadaismus, mit ihren Künstlern wie Carl Einstein, Ferdinand Hardekopf, Reinhard Goering, Ernst Toller, Else Lasker-Schüler, Hugo Ball, Emmy Hennings, Gottfried Benn, Georg Trakl und viele mehr, die im schulischen Lehrplan leider meist nicht mehr ausreichend gewürdigt und nur oberflächlich behandelt werden können.

Die Interaktion mit dem Publikum, die musikalische Untermalung mit Chansons und Instrumentalkompositionen und eine offene Diskussionsrunde garantieren eine Zeitreise und abwechslungsreiche Deutschstunde, der etwas anderen Art.

Die Erstaufführung war am 09.10.2017 am Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein, Baden-Württemberg.

Inszenierung: Philipp Wolpert
Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Ausstattung:
Felix Seiter, Manuel Seiter
Musik:
Michael Wist (Visun)
Regieassistenz: Magdalena Kolar

Mit Andreas Posthoff

Pressestimmen

»Das neueste Theaterstück von Tobias Frühauf und Philipp Wolpert ist ein nachhaltig wirksames Plädoyer. Keiner, der das Stück gesehen hat, dürfte nämlich danach weiterhandeln wie bisher. [...] Das Stück ist ein fulminanter Aufruf, das Gehirn einzuschalten und eigenverantwortlich zu handeln. Die Quintessenz des Theaterstücks, das freilich hervorragend geeignet ist, Literatur- und Wissenslücken auf mitreißende Weise zu füllen, heißt wachsam sein. [...] Für Posthoff ist Kasimir Kranz eine Paraderolle.« (Marbacher Zeitung)

»[...] präzise, pointiert und eindrucksvoll spielt Andreas Posthoff den Verleger – auch für ihn scheinen die Texte brandaktuell und von großer Bedeutung zu sein. Die musikalische Untermalung des Berliner DJ Michael Wist trifft mit Hip-Hop und Instrumentalkompositionen die passenden Töne zur Literatur. Die Schüler sind begeistert und zollen in der anschließenden Fragerunde großen Respekt vor der schauspielerischen Leistung.« (Pressestelle Kolping Bildungszentrum Heilbronn)

»[...] eine Deutschstunde der etwas anderen Art aus bewegten Zeiten. Der Schauspieler Andreas Posthoff schlüpft in die Rolle des erfundenen Verlegers und macht so vor allem auch geschichtliche Zusammenhänge klar. [...] Alte Texte mit einer neuen Ästhetik [...] kurzweilig oder auch berührend ist diese Collage [...] und dann läuft es einem eiskalt den Rücken runter, wenn man vernimmt, was Ernst Toller einer »Jugend in Deutschland« schon vor einhundert Jahren zu sagen hatte [...] .« (SWR4 Studio Heilbronn)

»Wo ist die Jugend Europas? [...] Eine Deutsch- und Geschichtsstunde ganz besonderer Art. [...] Der Schauspieler zog mit Präsenz und intensiven Spiel die Schüler in den Bann des Stückes [...] Gegen Schluss wurden auch immer deutlicher Parallelen zur Gegenwart angesprochen. Ausgrenzung, Kriegsbereitschaft und Opportunismus [...] Atemlose Stille, dann starker Applaus der Jugendlichen. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Schüler sich von dem Appell an ihre kritische Wachheit durchaus angesprochen fühlten - Lernziel voll erreicht.« (Main Echo)

»In 70 Minuten führt Kranz [...]  durch die Jahre 1910 bis 1933. Auf seinem Weg begegnet er den großen Schriftstellern dieser Zeit und geht sogar mit ihnen auf Reisen. [...]  Mit ihrem Stück wollen die Beiden vor allem eines: Junge Menschen animieren. »Werdet aktiv, denn nichts tun ist einfach. Setzt eure Visionen um  [...] « Ihr Weg zum Ziel: Experimentelles wagen.« (Main Post)

»Rauchschwaden wabern durch die Luft, die arme menschliche Kreatur findet sich im Auge des Sturms wieder, mitten auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs, statt daheim im geliebten Berlin unter dem Weihnachtsbaum. Das Entsetzen im Gesicht des patriotisch Verblendeten ist greifbar, während rundherum die Bomben fliegen. „Stille Nacht, heilige Nacht“, krakelt Kasimir Kranz (Andreas Posthoff), sein Gesicht im Strahl der Taschenlampe ist verzerrt wie im Todeswahn, während aus dem Hintergrund nervös und bedrohlich die Elektro-Beats dröhnen.  [...] Andreas Posthoff ist für das Ein-Mann-Stück „Vergessen – literarische Lethe“, das Tobias Frühauf geschrieben und Philipp Wolpert inszeniert hat, ein absoluter Glücksfall: authentisch, unbequem, pendelnd zwischen freundlichem Erzählonkel und wildem Dämon. [...] Auf der Bühne braucht es nicht mehr als einen Koffer, einen Schreibtisch, einen umgedrehten Stuhl und ein Steckenpferd, dem er sanft über den Kopf streichelt. Viele Seiten Papier liegen wild herum. Der fiktive Verleger dient als Vehikel, um entlang seiner Biografie eine Zeitreise durch die frühe Moderne mit all ihren avantgardistischen Strömungen zu machen. Ein Parforce-Ritt durch die Jahre 1910 bis 1933, ein Kaleidoskop der historischen Schlaglichter – als eine kraftvolle Meditation über das Menschsein an sich. [...] Mit einem Charakterdarsteller wie Andreas Posthoff ist ein solcher Abend zwangsläufig ein Volltreffer.« (Johannes Koch von der Ludwigsburger Kreiszeitung)


Traktat zum Bienensterben

Ein Dramolett von Tobias Frühauf

Der Beitrag von TACHELES & TARANTISMUS zum bundesweiten Festtag der Offenen Gesellschaft am Schauspiel Stuttgart, das gemeinsam mit dem Citizen.KANE.Kollektiv die Veranstaltung iniitiert hat.

Goldstaub, eine speckige Sonne strahlt, Schwadronen des Arbeitervolks folgen dem Klang einer Melodie - Bienen.
Welchen Nutzen erfüllen diese Insekten für Mutter Erde? Liefern sie uns lediglich den Honig auf das Butterbrot?
Lassen sich die Gesellschaftsmodelle der Immen auf das menschliche Zusammenleben übertragen?
War Marx ein Entomologe?

In einer Aneinanderreihug obskurer Bilder werden Impulse zum Nachdenken gegeben, neue Philosophien aus dem Erdboden gestampft und Utopien in unserer dystopischen Welt realisiert.

Inszenierung: Philipp Wolpert
Dramaturgie: Tobias Frühauf

17. Juni 2017 | 17:00 Uhr | Treffpunkt Schauspiel Stuttgart