VERGESSEN - literarische Lethe

von Tobias Frühauf


»Eine interaktive Deutschstunde, eine fiktive Lebensgeschichte, eine Retrospektive,  ein Blick auf  Gegenwärtiges. Die Zukunft?«


Das Stück schildert das Schaffen des fiktiven Verlegers Kasimir Kranz um die Jahre 1910 bis 1933 und beinhaltet kontemporäre Verweise zu den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Kranz berichtet von seinem Werdegang, von seinem anfänglichen Eifer, dem Brennen, dem Aufopfern für die Passion und Selbstverwirklichung, bis hin zum Verglühen im gleichgeschalteten Nazi-Deutschland.

Hierbei wird insbesondere die Beziehung des Verlegers zu Literaten thematisiert, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten sind und deren Werke man in einem heutigen Verlagsprogramm vergeblich sucht. Schriftsteller, deren kritische Stimme in den Köpfen der Menschheit erloschen ist und deren Wort in hermetisch abgeschirmten Archiven vergilbt. Kranz stellt die schillernden Persönlichkeiten der frühen Moderne mitsamt ihren Schrullen anhand geeigneter Lyrik, Prosa, etc. aus deren OEuvre vor.

Um den zeitlichen Kontext zu wahren, werden die Biographien der Künstler mit realen historischen Vorgängen und einschneidenden Ereignissen der damaligen Zeit in Szene gesetzt. Das Augenmerk liegt vor allem auf den avantgardistischen Strömungen, wie Expressionismus und Dadaismus, mit ihren Künstlern wie Carl Einstein,  Ferdinand Hardekopf, Reinhard Goering, Ernst Toller, Else Lasker-Schüler, Hugo Ball, Emmy Hennings, Gottfried Benn, Georg Trakl und viele mehr, die im schulischen Lehrplan leider meist nicht mehr ausreichend gewürdigt und nur oberflächlich behandelt werden können.

Die Interaktion mit dem Publikum, die musikalische Untermalung mit Chansons und Instrumentalkompositionen und eine offene Diskussionsrunde garantieren eine Zeitreise und abwechslungsreiche Deutschstunde, der etwas anderen Art.

Die Erstaufführung ist am 09. Oktober am Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein, Baden-Württemberg.

Inszenierung: Philipp Wolpert
Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Ausstattung:
Felix Seiter, Manuel Seiter
Musik:
Michael Wist (Visun)
Regieassistenz: Magdalena Kolar

Mit Andreas Posthoff

Informationen

Die Produktion ist vornehmlich für die Oberstufe geeignet und spielt direkt im Klassenzimmer. Außer einen Stromanschluss muss die Bildungseinrichtung keine weiteren Betriebsmittel stellen. Das Stück dauert 75 Minuten. Im Anschluss findet eine 15-minütige Fragerunde mit dem Schauspieler statt. Die Teilnehmerzahl soll 30 Schüler nicht übersteigen, damit eine intensive Interaktion möglich bleibt.

Bei Interesse wenden Sie sich an team@tachelesundtarantismus.com. Wir vereinbaren darauf gerne ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Bisher spielen wir an folgenden Bildungseinrichtungen und Theatern

  • Herzog-Christoph-Gymnasium Beilstein
  • Sozialwissenschaftliches Gymnasium Kolping Bildungszentrum Heilbronn
  • Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Marktheidenfeld
  • Evangelisches Paul-Distelbarth-Gymnasium Obersulm
  • Marbacher Theaterfestspiele

Pressestimmen

»Das neueste Theaterstück von Tobias Frühauf und Philipp Wolpert ist ein nachhaltig wirksames Plädoyer. Keiner, der das Stück gesehen hat, dürfte nämlich danach weiterhandeln wie bisher. [...] Das Stück ist ein fulminanter Aufruf, das Gehirn einzuschalten und eigenverantwortlich zu handeln. Die Quintessenz des Theaterstücks, das freilich hervorragend geeignet ist, Literatur- und Wissenslücken auf mitreißende Weise zu füllen, heißt wachsam sein. [...] Für Posthoff ist Kasimir Kranz eine Paraderolle.« (Marbacher Zeitung)

»[...] präzise, pointiert und eindrucksvoll spielt Andreas Posthoff den Verleger – auch für ihn scheinen die Texte brandaktuell und von großer Bedeutung zu sein. Die musikalische Untermalung des Berliner DJ Michael Wist trifft mit Hip-Hop und Instrumentalkompositionen die passenden Töne zur Literatur. Die Schüler sind begeistert und zollen in der anschließenden Fragerunde großen Respekt vor der schauspielerischen Leistung.« (Pressestelle Kolping Bildungszentrum Heilbronn)

»[...] eine Deutschstunde der etwas anderen Art aus bewegten Zeiten. Der Schauspieler Andreas Posthoff schlüpft in die Rolle des erfundenen Verlegers und macht so vor allem auch geschichtliche Zusammenhänge klar. [...] Alte Texte mit einer neuen Ästhetik [...] kurzweilig oder auch berührend ist diese Collage [...] und dann läuft es einem eiskalt den Rücken runter, wenn man vernimmt, was Ernst Toller einer »Jugend in Deutschland« schon vor einhundert Jahren zu sagen hatte [...] .« (SWR4 Studio Heilbronn)

»Wo ist die Jugend Europas? [...] Eine Deutsch- und Geschichtsstunde ganz besonderer Art. [...] Der Schauspieler zog mit Präsenz und intensiven Spiel die Schüler in den Bann des Stückes [...] Gegen Schluss wurden auch immer deutlicher Parallelen zur Gegenwart angesprochen. Ausgrenzung, Kriegsbereitschaft und Opportunismus [...] Atemlose Stille, dann starker Applaus der Jugendlichen. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Schüler sich von dem Appell an ihre kritische Wachheit durchaus angesprochen fühlten - Lernziel voll erreicht.« (Main Echo)

»In 70 Minuten führt Kranz [...]  durch die Jahre 1910 bis 1933. Auf seinem Weg begegnet er den großen Schriftstellern dieser Zeit und geht sogar mit ihnen auf Reisen. [...]  Mit ihrem Stück wollen die Beiden vor allem eines: Junge Menschen animieren. »Werdet aktiv, denn nichts tun ist einfach. Setzt eure Visionen um  [...] « Ihr Weg zum Ziel: Experimentelles wagen.« (Main Post)

»Rauchschwaden wabern durch die Luft, die arme menschliche Kreatur findet sich im Auge des Sturms wieder, mitten auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs, statt daheim im geliebten Berlin unter dem Weihnachtsbaum. Das Entsetzen im Gesicht des patriotisch Verblendeten ist greifbar, während rundherum die Bomben fliegen. „Stille Nacht, heilige Nacht“, krakelt Kasimir Kranz (Andreas Posthoff), sein Gesicht im Strahl der Taschenlampe ist verzerrt wie im Todeswahn, während aus dem Hintergrund nervös und bedrohlich die Elektro-Beats dröhnen.  [...] Andreas Posthoff ist für das Ein-Mann-Stück „Vergessen – literarische Lethe“, das Tobias Frühauf geschrieben und Philipp Wolpert inszeniert hat, ein absoluter Glücksfall: authentisch, unbequem, pendelnd zwischen freundlichem Erzählonkel und wildem Dämon. [...] Auf der Bühne braucht es nicht mehr als einen Koffer, einen Schreibtisch, einen umgedrehten Stuhl und ein Steckenpferd, dem er sanft über den Kopf streichelt. Viele Seiten Papier liegen wild herum. Der fiktive Verleger dient als Vehikel, um entlang seiner Biografie eine Zeitreise durch die frühe Moderne mit all ihren avantgardistischen Strömungen zu machen. Ein Parforce-Ritt durch die Jahre 1910 bis 1933, ein Kaleidoskop der historischen Schlaglichter – als eine kraftvolle Meditation über das Menschsein an sich. [...] Mit einem Charakterdarsteller wie Andreas Posthoff ist ein solcher Abend zwangsläufig ein Volltreffer.« (Johannes Koch von der Ludwigsburger Kreiszeitung)


Vorwort des Schirmherren

Liebe Theaterfreunde, liebe Kolleginnen und Kollegen,

jetzt wird Tacheles geredet!

Welcher Schüler wünscht sich nicht einmal eine Deutschstunde als erlebbare Zeitreise, oder im Deutschunterricht behandelte Themen, welche die Schüler auch aktuell beschäftigen? Obendrein soll den Schülern literarisches Grundwissen vermittelt werden – das scheint ein Ding der Unmöglichkeit! Keineswegs, denn diesen Ansprüchen möchten die jungen Theatermacher Philipp Wolpert und Tobias Frühauf gerecht werden.

Wenig verwunderlich also, dass es mir als Schulleiter und Deutschlehrer ein besonderes Anliegen ist, dieses einmalige Projekt einer etwas anderen, kreativen Deutschstunde zu fördern.


Als der Regisseur Philipp Wolpert und der Dramaturg Tobias Frühauf mit ihrem 2017 gegründeten Theaterlabel »Tacheles und Tarantismus« auf mich zukamen, um für die Aufführung ihrer Eigenproduktion »Vergessen – literarische Lethe« am Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein zu werben, hat mich dies außerordentlich gefreut und konzeptionell überzeugt.

Die beiden hochbegabten Künstler entwickelten ein Stück, welches den Blick auf die frühe Moderne wagt, die im Bildungsplan des Deutschunterrichts aus Zeitgründen doch häufig etwas zu kurz kommt. Es bietet den Schülern mannigfaltige Anregungen, sich aktiv mit Literatur auseinanderzusetzen und soll ihnen Mut machen, selbst kreativ schöpferisch zu werden, d.h. selbst zu schreiben.

Das Label proklamiert »eine Symbiose zwischen zeitgenössischer Ästhetik und traditionellem Theater«. Das Ideal, jungen Nachwuchskünstlern eine Plattform zu bieten, um ihr künstlerisches Schaffen zu veröffentlichen, hat mich dabei besonders angesprochen.
Wir haben am allgemeinbildenden Gymnasium, nicht nur im Deutschunterricht, ebenfalls den Anspruch, junge Menschen in ihrem künstlerischen Schaffen oder allgemeiner beim Entfalten ihrer unterschiedlichsten Talente zu unterstützen und zu fördern. Darum möchte ich als Schirmherr auch andere Schulen ermutigen, sich auf eine Zeitreise und eine abwechslungsreiche Deutschstunde der etwas anderen Art einzulassen.

Ihr Jochen Bär
Schulleiter Herzog-Christoph-Gymnasium Beilstein