Das Label

Über unsere Arbeit

Wo das ICH anfängt, hört das WIR auf?
Wo das WIR anfängt, ist das ICH aufgehoben und zum WIR vervollständigt.
Tacheles und Tarantismus.

Wir sind auf der ständigen Suche nach der Kreation eines Theaters, das die Sinnhaftigkeit des Seins in einem metaphyischen Raum herausfordert und befreit von ideologischen Dogmen, eine Reflexion des eigenen Ichs ermöglicht. Eine bewusstseinserweiternde Erfahrung.
Der mathematische Zirkel, die ökonomischen Spiralen unsere Start- und Landebahnen, in denen wir, wie in der Kugelbahn in festen Bahnen tanzen, spulen vorwärts auf die Zielgerade. Die augenblickliche Leere kann ein Katalysator des Kollektivs sein. Dieser Zustand kommt erzwungenermaßen und ungewollt von Außen. Wir können nicht fliehen und ausweichen. Zeit, zur Reflexion und zur Schaffung einer eigenen Ethik, eines Bewusstseins und um sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Was ist die Stellung unseres Egos in der Gesellschaft?


Tobias Frühauf zeichnet sich für Text und Dramaturgie und Philipp Wolpert für die Regie verantwortlich. Beide begreifen sich als einen gemeinsamen Motor, der sich in der Zusammenarbeit und mit den gegenseitigen Energien und Kräften antreibt. Zwei Künstler und ein Konzept.
Sprecht Klartext und verbreitet eure Ideale durch die tarantistische Revolte. Tacheles und Tarantismus. 

Motivation und Arbeitsweise?

Wir beobachten kritisch eine Entwicklung an den meisten etablierten Theaterbetrieben. Ein Blick in die Zuschauerränge reicht aus, um festzustellen, dass es verpasst hat, die junge Generation mitzunehmen.
Was ist die Zukunft von Theater?
Theater braucht eine grundlegende Systemerneuerung.
Um diesen Prozess anzustoßen, haben wir bewusst den unkonventionellen Weg gewählt, um außerhalb der städtischen Häuser, innovative Projekte verwirklichen zu können. Deklariertes Ziel ist es, mit neuen Ästhetiken und Ansätzen, Aufmerksamkeit zu erzielen und mit der aufkeimenden Relevanz, Einzug in die großen Theaterinstitutionen zu erhalten.
Theater ist unmittelbar und hat wie keine andere Kunstgattung die Chance, live auf der Bühne gesellschaftlich relevante Themen zu verhandeln und das Publikum in einem Sog zu fesseln.
Leider bleibt die Darstellende Kunst oft hinter ihrem großen Potenzial zurück und besticht allenfalls durch Ideenlosigkeit, Feigheit, Doppelmoral und ihren Museumscharakter.
Als Theaterlabel Tacheles und Tarantismus agieren wir fernab von festgefahrenen Strukturen und verstehen uns als Sprachrohr der jungen, zeitgenössischen Dramatik. Angefixt und geprägt von den vergessenen Autoren und Autorinnen der frühen Moderne, deren Haltung, Warnungen, Aktualität und Zeitlosigkeit, bringen wir neue Werke zur Uraufführung.
Die Kunst ist nur so gut, wie die Gesamtheit ihrer Schöpfer. Wir sind eine Bewegung und Bewegungen leben von ihren Netzwerken. Ein Netzwerk besticht dann, wenn es die eigene Filterblase durchdringt und Impulse von außen und anderen Kunstgattungen einholt. Zu diesem Zweck stehen wir im Austausch mit anderen Persönlichkeiten, die auf unsere Idee aufmerksam wurden bzw. werden und nun zu unseren Unterstützern zählen. Es gilt eine neue Boheme im 21. Jahrhundert zu schaffen. Hierzu zählen bisher u. a. NisiMasa (Schauspieler und Musiker), Friedrich von Borries (Suhrkamp Autor), Wolfgang Krause Zwieback (Schauspieler, Regisseur, Autor, Performer), HF Coltello (Musiker), Fotonoid (Fotograf) und Juicy Gay (Deutschrapstar) sowie junge SchauspielerInnen, die nach ersten Stadt - und Staatstheatererfahrungen fortan ihre Ideale innerhalb der tarantistischen Revolte umsetzen.

Ziel dieser Anstrengungen, ist es, dass Theater wieder für eine breite Masse, insbesondere für unsere Generation attraktiv zu machen. Wenn dies nicht gelingt, stellt sich die Frage, wie lange das bestehende Theatersystem noch überleben kann, da es im Vergleich zu den gängigen Mainstream-Medien-Konsum allenfalls eine Nische bedient. Die deutschsprachige Theaterszene hat Angst vor der Popkultur.
Die gängigen Formate scheitern, da der intellektuelle Ruf dem Theater vorauseilt und vorwiegend ein elitäres Kulturpublikum angesprochen wird.
Hier besteht ein eindeutiger Widerspruch zwischen dem Anspruch, den die Theater selbst an sich richten, dem Themenspektrum, das auf der Bühne verhandelt wird und der Wirklichkeit in den Zuschauerrängen. Dabei ist es insbesondere für das Theater, das eine relevante gesellschaftliche Aufgabe wahrnimmt, sich als 5. Gewalt im Staat versteht, unerlässlich, dass seine Angebote/ Inhalte prinzipiell für alle Menschen ansprechend aufbereitet werden. Wir lehnen das Credo: NUR KUNST FÜR KOLLEGEN, ZUR SELBSTPROFILIERUNG UND FÜR DAS FEUILLETON ab. Für was machen wir den ganzen Spaß sonst eigentlich?

Wir sind dabei neue Formate zu entwickeln. Hier sind in erster Linie, die Genres Technotheater, Trapoper und Wissenschaftstheater zu nennen.
Die Gemeinsamkeit aller Formate liegt in dem Einsatz von Elementen der Populärkultur, die es ermöglicht, die Vorbehalte einer nicht-theateraffinen Zielgruppe zu überwinden und diese durch ihre Rezeptionsgewohnheiten für das Medium Theater und seine Inhalte aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren und schlussendlich zu begeistern.Durch die Zusammenarbeit mit bekannten KünstlerInnen der jeweiligen Szene, wird gewährleistet, dass während der Entstehung des Projektes verschiedene Herangehensweisen aufeinandertreffen, eine pluralistische Reibung entsteht und ein ehrlicher Diskurs  innerhalb des Teams stattfindet. 
  

Die Gattungen unterscheiden sich in ihren Inszenierungskonzepten wie folgt:
Das Technotheater ist eine Symbiose aus elektronischen Klängen und Spoken Words. Es bedient die Elemente des Sprechtheaters, der Performance und kreiert eine meditative Sogwirkung.
Die Texte behandeln zum einen metaphysische Fragestellungen, die sich in einer körperlichen Erfahrung durch das Erlebnis und den Tanz manifestieren. Zum Anderen wird Theater zum Klubraum und spielt mit den Widersprüchlichkeiten der nächtlichen Streifzüge, der Melancholie, Einsamkeit, Schicksalsergebenheit, dem Nihilismus des Exzesses und der Ekstase im Rauschzustand.
Im Gegensatz hierzu, bedient die Trapoper, die Stilmittel der Hip-Hop-Kultur und Musikvideoästhetik und zeigt in einem grotesken, plakativen und überspitzten Realismus die bestehenden Verhältnisse objektiv auf. Es kommt zu einer Fusion von abstrakter Rapmusik, Live-Instrumentals, die die Themen des Stückes behandeln und Schauspielsequenzen, die gleich einem Interlude, die Handlung vorantreiben und kommentieren. Als Resultat entsteht ein intensives Konzerterlebnis aus Trash, Operettenpersiflage und dem Paradoxon der inhaltsvollen Trapmusik, die im Gegensatz zum gängigen Mainstream, mit Gesellschaftskritik aufgeladen wird und dennoch den hedonistischen Charakter des Musikgenres und Traplifestyles behält.
Das Wissenschaftstheater widmet sich Fragestellungen rund um die Wissenschaftsethik und den richtungsweisenden Themen unserer Zukunft, diese Komplexe werden gemeinsam mit renommierten Experten und Studierenden aus diesem Feld erarbeitet, um neben der künstlerischen Reflexion, die fachliche Komponente zu erfahren. Hierbei hat das Wissenschaftstheater eine Hybridstellung und vereinbart  in der konkreten Umsetzung die Stile der beiden vorangegangenen Gattungen.

Einfluss von gesellschaftlichen Entwicklungen?

Der Commercial Highway im menschlichen Kopfe, die kollektive nihilistische Vernichtungstat und das individuelle, egoistische Streben nach Erfüllung jedes Einzelnen, katapultieren unsere moderne Gesellschaft in Verhältnisse, die wir unlängst begraben glaubten. Die allumfassende Devise, nach mir die Sintflut, nach der die Menschen ihr Leben bestreiten und rücksichtslos mit ihrem Restmüll den Organismus Erde für künftige Generationen verpesten, wirft Fragen auf? Diese Fragen sind Zentrum unserer theatralen Betrachtungsweise. Diese Fragen sind der zentrale und einzige Katalysator, der uns zur Theaterarbeit treibt. Wir machen Theater für eine Gesellschaft, die lieber wegschaut, anstelle zu gestalten und diese Aufgabe anderen überlässt, die willkürlich und zum eigenen Vorteil zerstören. Mit unseren Arbeiten zeigen wir dem Publikum ein Spiegelbild, unsere perverse Realität, in der wir alle leben und die wir alle durch unser Handeln bzw. Nichtstun verschulden. Wir glauben daran, dass diese Erkenntnis, die objektive Darstellung der Verhältnisse, ein Stein des Anstoßes, der Beginn der Selbstreflexion sein kann. Ein Aktiv-Werden kann einem nicht vorgelebt werden, der Entschluss hierzu muss aus einem selbst kommen - erst dann können Utopien realisiert werden.
In einer Welt die brennt und der wir keine weiteren 100 Jahre des Fortbestandes geben, proklamieren wir eine zeitgenössische Dramatik und Umsetzung, die die Themenkomplexe unserer Generation unverblümt abbildet.