Gastspiel am Schauspiel Dortmund

UBU. Ein fragmentärer Zyklus der modernen pataphysischen Forschung - Eine Trapoper

von Tobias Frühauf

Geldzählmaschinen machen Radau. Schampus, Capri-Sonne, Wohlstandsbauch und weißes Gold. Hunderttausend Mäuse fliegen durch die Lobby der politischen Hinterzimmer. Das Leben eine ehrenlose Party. Bei Ladehemmung gibt es Kolben ins Genick. Atomarer Exitus. Mehr Kohle, mehr Geld, mehr Kalorien. Abriss.

Theater und Hip-Hop, funktioniert das? Die weltweit erste Trapoper bringt Hip-Hop, Trash, Gesellschafts- und Menschenkritik, Nonsens und paradoxe Kontroversen in einem intensiven Theaterkonzerterlebnis auf die Bühne. 

Ubu heißt der neue Mann, der neue Führer auf dem Thron. Ubu ist infantil und feige, sein Lebensinhalt besteht aus Völlerei und Kapital. Als die Gesellschaft zunehmend unter den Launen, Barbareien und Genoziden leidet, entflammt der atomare Exitus. Doch wer ist dieser Ubu? Was haben wir mit ihm zu tun? Rein in den Klub und nehmt teil an den Gelagen und Exzessen der Obrigkeit. Verliert euch im schwarz-weißen Strudel der Galaxie und rettet die Welt. In Zeiten von Populismus, Globalisierung, Orientierungslosigkeit und politischen Spannungsverhältnissen ist Ubu brandaktuell und zeigt sich doch als intensives Partyereignis mit Tiefgang.

Das Drama »König Ubu« von Alfred Jarry ist ein Meilenstein der Theaterhistorie und markiert die Geburtsstunde des absurden Theaters. Das 1896 uraufgeführte Drama löste seinerzeit handfeste Tumulte in den Zuschauerrängen aus. Die Dadaisten entdeckten das in Vergessenheit geratene Relikt zwanzig Jahre später und würdigten die Pionierleistung, die erstmals mit den festgefahrenen Strukturen der Kunst brach. Eine Persiflage auf die großen Dramen Shakespeares, die zugleich aus inszenatorischer und theaterästhetischer Sichtweise einen Neuanfang barg. Dramatiker Tobias Frühauf hat die Figur Ubu zum Ausgangspunkt seines Textes gemacht.

Die Inszenierung von Philipp Wolpert wird erstmalig den Stoff als zeitgenössische Hip-Hop-Oper aufbereiten. Das Hip-Hop Subgenre Trap polarisiert derzeit die Musikszene und spaltet die Gemüter. Während Kunstrezensenten das junge Musikgenre als Neo-Dada und Spiegel unserer Gesellschaft preisen, sehen andere darin lediglich einen niveaulosen Trend mit geringer Halbwertszeit. Fest steht, Trap rückt zunehmend und unaufhaltsam in den Fokus unserer Gesellschaft und bildet das Pendant zum hedonistischen Streben einer Generation, die lieber im Moment verharrt, als Verantwortung zu übernehmen.

Ein Experiment und ein weltweit neuartiges Format. Erzählt wird die Geschichte des wahnsinnigen Despoten in einem Malstrom aus Rap, Trap, gesprochenem Wort, Performance, Tanz, Video- und Lichttechnik. Die Inszenierung übersetzt Jarrys »théâtre-action« und Antonin Artauds »Theater der Grausamkeit« in die Neuzeit.

Regie: Philipp Wolpert
Text und Dramaturgie:
Tobias Frühauf
Beats: Dexter, Visun, Juicy Gay
Ausstattung: abelli.art
Maske: Anja Reiber
Video: Jürgen Höcht
Licht und Ton: Manuel Sperber
Regieassistenz: Fabian Fox, Marieke Plappert

Mit
Juicy Gay, Dennis Da Mennace, Sebastian Graf, Thea Rasche, Paul-Louis Schopf, Andreas Posthoff, Leah Wewoda, Alexander Ilic, Michel Schulze (Drums) und Gunnar Schwarm (Performer)

Informationen

Dauer: ca. 100 Minuten (keine Pause)
Wir möchten darauf hinweisen, dass in dieser Produktion Stroboskoplicht zum Einsatz kommt.

Vorstellungen und Tickets

Ort: Schauspielhaus Dortmund (Hiltropwall 15, 44137 Dortmund)
Beginn: 19:30 Uhr (Einlass 18:00 Uhr)

Sonntag, 01.03.2020  TICKETS